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"Fremde sind Freunde, die wir noch nicht kennengelernt haben"

Jugendliche aus Bayern, Sachsen und Jordanien begegnen sich im Projekt NaAnke an unterschiedlichen Orten (Foto: Constance Engelfried)
Jugendliche aus Bayern, Sachsen und Jordanien begegnen sich im Projekt NaAnke an unterschiedlichen Orten (Foto: Constance Engelfried)

[07|02|2020]

Begegnungsprojekt mit Jugendlichen

 

24 Jugendliche aus Bayern, Sachsen und Jordanien, die alle eine Ausbildung absolvieren und zum Teil aus Ländern wie Syrien, Sierra Leone und Afghanistan geflüchtet sind, trafen sich für jeweils eine Woche an verschiedenen Orten in Deutschland und Jordanien. Nach einigem zeitlichen Abstand fanden erneut Treffen statt. Das Begegnungsprojekt "Wie lebst denn Du? – Das Narrativ des Anderen kennenlernen" (NaAnke) ist eine Kooperation von Prof. Dr. Constance Engelfried von der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der HM und der German-Jordanian University (GJU). Erforscht wurde, wie sich das Verhalten und die Einstellungen von Jugendlichen zu den zunächst "Fremden" während eines Begegnungsprojekts änderten. Die Forschungen begleiteten das gleichnamige Begegnungsprojekt, das die Filmproduktionsfirma Terra Media Corp. initiierte und filmisch dokumentierte.

 

Hip-Hop als Kommunikationsmittel

In Workshops gestalteten die Jugendlichen zusammen Bilder zum Thema Heimat, begegneten sich über Tanzperformances oder machten miteinander Musik. "Hip-Hop war, vor allem für einige der Jungs, ein wichtiges Mittel der Kommunikation. Durch das gemeinsame Interesse, die Musik, stellten die Jugendlichen fest, dass es keine Rolle spielt, aus welchem Land jemand stammt oder welche Sprache er spricht", beobachtete Engelfried.

Durch die lange gemeinsame Zeit entstand bei den Teilnehmenden eine Beziehungstiefe. Spezifische, pädagogische Settings wie Workshops in Kleingruppen oder ein Ausflug in das Flüchtlingscamp Zaatari, sechs Kilometer nahe der syrischen Grenze, konnten durch die wiederholten Treffen realisiert werden. Eine Chance für Engelfrieds Forschung: "Wir konnten das Verhalten und die Einstellungen der Jugendlichen im Projektverlauf mit unterschiedlichen Forschungsmethoden untersuchen und die verschiedenen Narrative an den einzelnen Orten oder zu diversen Themen freilegen", sagt die Forscherin. Narrative sind sinnhafte Erzählungen der einzelnen Jugendlichen über die vermeintlich "Anderen", die Werte transportieren und emotional aufgeladen sind.

 

Prof. Dr. Constance Engelfried von der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften erforscht Verhalten und Einstellungen von Jugendlichen gegenüber 'Fremden' (Foto: Mirja Fürst)
Prof. Dr. Constance Engelfried von der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften erforscht Verhalten und Einstellungen von Jugendlichen gegenüber 'Fremden' (Foto: Mirja Fürst)

Wiederkehrende Themen bei den Jugendlichen

Die vier HM-Forscherinnen des Projekts, Prof. Dr. Constance Engelfried, Maya Ostrowski, Maria Mayr und Stella Frank, setzten teilnehmende Beobachtung, die Analyse von Videomaterial sowie ExpertInneninterviews mit den betreuenden PädagogInnen als Forschungsmethoden ein. Bei der Analyse ihres Materials nutzten sie bewusst keine vorgefertigten Indikatoren, sondern suchten offen nach Kategorien, die eine wichtige Rolle für die Jugendlichen spielten. Unabhängig voneinander stießen sie auf die wiederkehrenden Themen Medienkritik, Flucht, Fremdheit und Alltagsrassismus, Geschlechterverhältnisse sowie Freundschaft. "Dass sich in allen drei Kontexten ähnliche Kategorien ergaben, war für uns ein Beleg, dass diese Form der qualitativen Wirkungsforschung optimal war, um Neues herauszubekommen", resümiert Engelfried.

 

Freundschaften verändern Narrative

Durch das Eintauchen der Jugendlichen in die verschiedenen Lebenswelten sowie die durch die Workshops gefundenen gemeinsamen Interessen ergaben sich Freundschaften, durch die sich viele der zu Beginn des Projekts konstruierten Narrative veränderten. Dies formulierten die Jugendlichen zum Schluss mit dem Satz: "Fremde sind nur Freunde, die wir noch nicht kennengelernt haben". Ein Ergebnis für Maya Ostrowski, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts: "Dadurch, dass Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung in dem Begegnungsprojekt Freundschaften schlossen, zeigte sich dessen großes Potenzial und Relevanz für die Lebenswelten der Jugendlichen."

 

 

Mirja Fürst

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