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Gleichstellung an der HM fördern

Die neue stellvertretende HM-Frauenbeauftragte Prof. Dr. Gabriele Fischer (Foto: Johanna Weber)
Die neue stellvertretende HM-Frauenbeauftragte Prof. Dr. Gabriele Fischer (Foto: Johanna Weber)

[16|11|2020]

Die neue stellvertretende Frauenbeauftragte Prof. Dr. Gabriele Fischer im Interview

 

Prof. Dr. Gabriele Fischer, berufen an die Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften für die Themen Gender, Migration und Diversity, ist seit diesem Wintersemester stellvertretende Frauenbeauftragte an der Hochschule München. Ziel der Gleichstellungsarbeit an der HM: Chancengleichheit von Frauen und Männern durchsetzen. Die Frauenbeauftragten kümmern sich um den wissenschaftlichen Bereich: Sie setzen gemeinsam mit der Hochschule den Gleichstellungsauftrag um und beraten bei Struktur- und Personalentscheidungen mit.

 

HM: Frau Fischer, was war Ihre Motivation, Frauenbeauftragte zu werden?

 

Gabriele Fischer: Strukturelle Ungleichheiten beschäftigen mich in Forschung und Lehre schon lange und mir ist es ein Anliegen, dem etwas entgegenzusetzen. Das kann ich in den Kontexten tun, in denen ich mich bewege: In den Seminaren mit Studierenden, im Kontakt mit KollegInnen und mit diesem Amt jetzt auch an der Hochschule auf der organisatorischen Ebene, wo Rahmenbedingungen für Studium, Lehre und Forschung ausgehandelt werden.

 

Sie haben als Frauenbeauftragte sicher viele Aufgaben und Ziele, um dieser Ungleichheit entgegenzuwirken.

 

Frauenbeauftragte an der Hochschule sollen und wollen Gleichstellung voranbringen. Das gilt für die Zusammensetzung der Beschäftigten ebenso wie für systematisches Mitdenken von Gender und Diversity in Studien- und Arbeitsbedingungen sowie Lehre und Forschung. Gleichstellung scheitert oftmals an fehlendem Wissen und Bewusstsein. In den meisten Fällen handelt es sich bei diskriminierendem Handeln nicht unbedingt um bewusst ausgrenzendes oder abwertendes Verhalten, sondern um Routinen – was es erschwert, eine Änderung hervorzubringen. Dies immer wieder aufzuzeigen und aufzubrechen ist auch Aufgabe der Frauenbeauftragten. Dabei entwickeln sich immer wieder neue Themen. Beispielsweise ist Künstliche Intelligenz nicht geschlechtsneutral. Wenn Algorithmen mit Daten arbeiten, die bereits auf Geschlechterungleichheit basieren – was sie oft tun – dann lernen sie auch, diese Ungleichheiten wieder hervorzubringen.

 

Studien- und Arbeitsbedingungen sind zwei wichtige Punkte: Welche Tipps haben Sie für Studentinnen und Berufseinsteigerinnen in einer männerdominierten Branche?

 

Studentinnen in männerdominierten Branchen würde ich darin bestärken, ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. Statistiken zeigen, dass Studentinnen in MINT-Fächern fachlich oft besser sind als Studenten. Es gibt also keinen Grund, sich schlechter zu machen oder sich weniger zuzutrauen. Gleichzeitig sollte ihnen bewusst sein, dass Geschlecht eine Rolle spielt und sie sich mit struktureller Ungleichheit auseinandersetzen müssen. Dabei ist wichtig, eben genau die strukturelle Komponente zu erkennen und die Verantwortung nicht nur bei sich zu suchen. Zusammenschlüsse von Studentinnen und Netzwerke von Frauen können dabei unterstützend sein. Männer machen das im Übrigen auch, nur wird es nicht Männernetzwerk genannt, sondern Netzwerk. Dass sich dort oft überwiegend Männer gegenseitig unterstützen, ist genau ein Effekt von strukturellen Ungleichheiten.

 

Ich möchte aber auch die Studentinnen in sozialen Fächern nicht aus dem Blick verlieren. Soziale Arbeit oder Pflege werden deutlich schlechter bezahlt als Berufe mit vergleichbarer Qualifikation, also Bachelor und/oder Master, in den MINT-Fächern. Das hängt auch damit zusammen, dass Sorgearbeiten – sogenannte Reproduktionsarbeit – zwar gesellschaftlich unabdingbar sind, aber leider nicht entsprechend anerkannt und bezahlt werden. Die Tätigkeiten werden als weiblich eingeordnet, die Geschlechterhierarchie spielt also auch hier eine Rolle. Ich ermutige die Studentinnen in den sozialen Fächern, nicht selbst zur Abwertung ihrer Profession beizutragen, indem sie beispielsweise eine Matheklausur schwerer einschätzen als eine prüfungsrelevante Auseinandersetzung über wissenschaftlich fundiertes Vorgehen bei Kindeswohlgefährdung. Mit großer Wahrscheinlichkeit wäre eine solche Prüfung für Studierende aus den MINT-Fächern auch keine leichte Aufgabe.

 

Mehr über die Arbeit der Frauenbeauftragten erfahren Sie auf den Seiten der Hochschule München.

 

 

Amanda Shala

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